Suzuki RE Rotary BJ 1975

Veröffentlicht am: 21.07.2011

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Ein neues Motorrad für das Hotel Harzer Hof

Suzuki RE5 Rotary Baujahr 1975

Nachdem wir schon im Besitz von 3 Wankel-PKW (Ro80, RX7, RX8) sind, musste nun ein Motorrad mit Wankelmotor her. Die Auswahl ist nicht besonders groß. Hercules, Norton und Suzuki, sowie ein Paar kleinere Hersteller wie z.B. VanVeen waren wohl die Pioniere auf diesem Gebiet. Die Verkaufszahlen waren gering und machte die Wankelmotorräder zu Exoten.

Die RE5 wurde Mitte der Siebziger von Suzuki mit einem enormen Aufwand entwickelt und gebaut. Nur kaum jemand in Deutschland wollte für das Bike, von dem sich Suzuki einiges erhoffte, für knappe DM 9.000,00 kaufen. Verkauft wurden in Deutschland letztendlich nur 50 Stück. Die meisten gingen in die USA.

Ich war schon seit längerem auf der Suche nach einer RE5. Bei mobile.de werden immer wieder welche angeboten. Leider sehr hochpreisig und im Sammlerzustand. Am 03.07.2011 war es dann soweit ... ich ersteigerte in der eBucht eine RE5.

Mit einem Gebot von € 2.565,00 erhielt ich den Zuschlag. Die Suzuki wurde am 04.05.1977 das erste Mal zugelassen und war nur gute 5 Jahre unterwegs. Das letzte Abmeldedatum ist der 05.11.1982. Seit dem stand sie in einer Garage.

In diesem Blog werde ich weiter über meine RE5 berichten. Das erste Ziel ist erstmal, sie zum Laufen zu bringen ....

18.07.2011 - Abholung

Abholung der Suzuki RE5 aus Leinfelden-Echterdingen. Der Zustand ist entsprechend den Angaben, eher noch besser. Alle Teile sind vorhanden und zu meiner Überraschung hat der Verkäufer noch einen Batzen Dokumente (Bedienungsanleitungen, Reparaturhandbuch...). Die werden mir in nächster Zeit bestimmt weiterhelfen. Super, denn auch im Internet gibt es kaum technische Infos über das Motorrad.

RE5 1975 und LC8 2006

19.07.2011 - Erste Arbeiten

Habe zuerst mal den Tank abgenommen und die Seitenverkleidung demontiert. Machte mir dann Gedanken, wie ich ihr am besten wieder Leben einhauche. Die Batterie fehlte schon mal, was bei dieser Standzeit wohl auch besser ist. Die Zündkerze sah auch nicht mehr so frisch aus. Also das NGK Modell aufgeschrieben und gegooglt ... nichts. NGK direkt angeschrieben. Die haben sofort angerufen: "Gibt es nicht mehr. Haben für Wankelmotoren nichts mehr im Programm". Also meinen Bruder gefragt, ob er noch Kerzen für den Ro80 hat. JA. Die sind zwar von Beru, aber zumindest gleich im Aufbau. Für das erste sollte es mit einer Ro80-Kerze klappen. Die NGK-Kerze werde ich aber schon irgendwo her besorgen. Dann die Dokumente nach Öltyp und Mengen durchforstet --> Benutzen Sie das Suzuki RE-Öl. Gibt es natürlich nicht mehr ....

Zündkerze eines Wankelmotors.

21.07.2011 - RE5 lebt.

Die bestellte Batterie ist heute eingetroffen. Eine Banner Y60-N24L-A 12V-28Ah. Nicht gerade klein das Ding. Preis: € 76,30. Säure aufgefüllt, geladen und eingebaut. Mit Spannung drehte ich den Schlüssel um: Sie lebt. Licht, Blinker, Hupe funktionieren auch noch. Sogar der Anlasser drehte (Zündkerzenstecker hatte ich abgezogen). In der nächsten Schlüssel-Position (Es gibt 4) setzte sich eine Benzin- oder  eher Ölpumpe in Gang ... doch ab hier muss ich erstmal wieder etwas in der Dokumentation lesen. Für morgen erwarte ich Getriebeöl und mit dem Motoröl muss ich noch mal schauen, was ich da nehme. Den ersten Startversuch plane ich für Sonntag Abend. 

22.07.2011 - Oh oh ... der Tank.

Den Tank der RE5 hatte ich ja schon abgenommen, doch noch nicht reingeschaut. Vielleicht wußte ich schon vorher, was mich erwartet, wenn man einen alten Tank Jahre lang ohne Sprit stehen läßt. Der Tankdeckel ging schon mal schwer auf ... schon hier ahnte ich nichts Gutes. Die erste Umdrehung wurde von einem Knirschen begleitet. Der Deckel kleppte förmlich an der Dichtung. Beim Abheben kam schon etwas weißes Pulver (nein, kein Koks) zum Vorschein. Der erste Blick mit der Taschenlampe: Schön rostig blumig. Egal, hatte ja kein Neufahrzeug erstanden und dieser Zustand ist wohl bei der Standzeit zu erwarten. Egal. Muss jetzt halt für den ersten Start etwas improvisiert werden. An Punkt 2 stand heute noch ein Ölwechsel. Da kam nicht wirklich viel raus. Den Ölfilter schraubte ich ab, steckte ihn in einen Gefrierbeutel und drückte ihn dem Verkäufer des Kfz-Zubehör-Ladens in die Hand. Die RE5 tauchte natürlich nicht in seiner Liste auf, doch wir fanden einen, der den Abmessungen entspricht (Champion C303 € 12,00 .. Update: er paßt irgendwie nicht richtig, ein neuer ist bestellt). Ich hoffe jetzt mal, dass die Durchflußmenge ähnlich ist. Morgen ist das Getriebeöl und das nicht mehr vorhandene Kühlwasser dran.

23.07.2011 - Erster Startversuch

Den Tank habe ich ein bißchen gespült und testweise etwas Benzin eingefüllt. Mit einem Filter sollte das ganze nutzbar sein. Die Rostblumen befinden sich anscheinend nur im oberen Bereich.

Motor- und Getriebeöl waren schnell gewechselt. Die Kühlflüssigkeit habe ich erstmal nur augefüllt. Danach die original NGK Zündkerze gesäubert. Die Batterie hatte ich über Nacht noch mal aufgeladen. Alles wieder zusammengebaut, Kamera eingeschaltet und mit Spannung den Startknopf gedrückt. Der Anlasser drehte, doch eine Zündung blieb aus. Schade. Enttäuschung macht sich breit. Egal. Zündkerze rausgeschraubt ... naß. Also Kerze trocken geblasen und den Zündfunken getestet. Nichts. Noch mal Mist. Zwischendurch wollte ich wieder die Batterie aufladen, um beim nächsten Versuch volle Power zu haben. Da merkte ich, dass die Einstellung des Ladegerätes falsch war, denn ich hatte es auf "Motorrad" eingestellt. Dieser Modus geht aber nur bis 14Ah ... die RE Batterie hat 28Ah. Also in den Automodus gewechselt. Während der Ladezeit machte ich mich auf die Suche nach dem Zündfunken. Also den Zündverteiler geöffnet. Dieser sieht kompliziert aus und ist es auch. Ich beschränkte mich zunächst mal darauf, die Kontakte zu säubern ... und zu meiner Freude gab's dafür einen Zündfunken inkl. kleinem Stromschlag. So, Kerze wieder rein und der nächste Versuch, die RE5 zu starten. Sie sprang an, aber nur kurz. Ca. 5 Sekunden lief sie alleine und ging dann wieder aus. Bei den folgenden Startversuchen ein ähnliches Bild. Es scheint irgendwie etwas an Kompression zu fehlen. Vielleicht funktionieren die Dichtleisten nicht mehr so richtig ..... 

25.07.2011 - Sie läuft

Nachdem jetzt alles mal richtig trocken war und so manche Dichtung jetzt vielleicht durch etwas Sprit wieder etwas geschmeidiger wurde, wagte ich heute spontan einen weiteren Versuch. Das ganze war so spontan, dass ich die Kamera nicht aufgestellt hatte. Und wie die Überschrift schon sagt .... sie sprang an und lief von ganz alleine. Relativ schnell war die Werkstatt komplett im blauen Dunst. Also erstmal mal wieder abgeschaltet. Auf der rechten Seite sah ich dann einen 80cm langen Ölspirtzer. Der kam irgendwie aus Richtung Ölfilter. Na ja egal. Erstmal raus und Luft holen.

Ich holte die Kamera, stellte sie auf das Stativ und startete den 2. Versuch. Sie sprang wieder an und alles wurde per Kamera (keine Videokamera, sondern nur eine kleine Lumix) dokumentiert. Ich versuch jetzt irgendwie das ganze in Youtube hochzuladen ... doch es klappt einfach nicht. Diesen geilen Sound (LuFi war draußen) müßt Ihr Euch einfach reinziehen ! :o) Also ... als nächtes kommt das Video und dann geht's weiter.

26.07.2011 - Was kommt jetzt ?

Tja, am 28.08.2011 ist hier in Osterode ein Oldtimertreffen auf dem Kornmarkt. Das wäre ja ein schönes Ziel, fahrbereit daran teilzunehmen. Terminlich knapp wird hier eigentlich nur die Reinigung und Konservierung des Tanks. Habe mich schon dazu entschlossen, es nicht selber zu machen, sondern ihn zu verschicken. Mal sehen, ob 30 Tage dafür ausreichen. Ansonsten wäre da noch die Vorderbremse, die völlig ohne Funktion ist und die Kupplung ist extrem schwergängig. Hier muss wohl noch mal eine Wartung oder Einstellung vorgenommen werden. Später bleibt dann noch abzuwarten, inwiefern sich die Zündung verstellt hat. Neue Reifen habe ich schon rausgesucht. Im Normalfall sollte das für eine Oldtimer-TÜV-Abnahme reichen.

31.07.2011 - Erstmal warten.

Die Arbeiten gehen jetzt erstmal etwas langsamer voran. Habe diese Woche erstmal die Vorderbremse, welche völlig ohne Funktion ist, zerlegt. Der Handbremszylinder ist völlig im Popo und die eine Bremsleitung ist schlichtweg verstopft. Daher habe ich jetzt eine kleine Pause eingelegt und Ersatzteile bestellt. Da ich jetzt hier keinen Suzuki-Händler in der Nähe habe und auch deutsche Websites keinerlei Ersatzteile für eine RE5 führen, habe ich die Teile im Ausland bestellt. Aus England kommt ein Reparatursatz für die Vorderbremse, Zündkerzen und Ölfilter. Bei eBay Japan ersteigerte ich einen Dichtungssatz und aus Neuseeland eine komplette Reparaturanleitung. Die beiden letzteren sind übrigens schon eingetroffen. Zu guter letzt ist diese Woche auch der Tank auf Reisen gegangen. Also erstmal abwarten.

10.08.2011 - Die Bremse

Wie oben schon einmal geschrieben, ist die Vorderbremse ohne Funktion. Auch bei der Demontage des Handbremszylinders und der Bremssättel kam kaum Bremsflüssigkeit zu Tage. Die linke Bremsleitung war völlig trocken bzw. verstopft. Heute war die Instandsetzung der Bremssättel an der Tagesordnung.

Die komplette Zerlegung in die Einzelteile erwies sich schon als schwer. Am meisten Widerstand leistete der Bremskolben. Er bewegte sich keinen Millimeter. Auch eine Rohrzange konnte ihn nicht lösen. Ja ich weiß, so eine robuste Zange hat eigentlich bei einem Bremskolben nichts zu suchen, doch ich hatte einen neuen schon zur Hand. Danach legte ich 5 bar Druckluft an den Zylinder. Nichts. Dann noch ein Paar Schläge mit dem Gummihammer und wieder Druckluft drauf. Und PENG ... schlug der Kolben in meinem Magen ein. Autsch. Aber draußen war er. Abschließend ging's an das Reinigen der Teile .. doch die Zeit für's zusammensetzen fehlte mir dann leider.

Bremszylinder ... etwas angegammelt.

16.08.2011 - Der Tank ist zurück.

Nach gut 2 Wochen ist der Tank wieder zurück. Ich hatte ihn zu einer kleinen Überarbeitung in fremde Hände gegeben. Er wurde gereinigt, versiegelt und ausgebeult. So auf den ersten Blick sieht er jetzt schlimmer aus als vorher. Doch beim genauen Hinschauen findet man keine einzige Beule oder sogar Rostblumen mehr. Kosten: € 295,00. Werde mir dann im Winter Gedanken über die Lackierung machen. Vielleicht werde ich die Originalfarbe verändern ... ein späterer Verkauf der RE5 ist nicht geplant.

Übrigens ist heute die linke Vorderbremse fertig geworden. Der 28.08.2011 ist also noch machbar. Hab grad nur ein Problem: Wie bekomme ich den Sicherungsring aus dem Handbremszylinder ? ... morgen gehe ich mal auf die Suche nach einer passenden Zange.

04.10.2011 - Die erste Testfahrt

Lange habe ich nichts mehr zu meiner RE5 geschrieben und habe auch nicht viel an ihr geschraubt. So zwischendurch hatte ich die Vorderbremse zusammengebaut und mal schnell befüllt und noch schneller entlüftet. Funktionieren tut sie jetzt, aber ich muss da noch etwas Bremsflüssigkeit durchjagen. Aber wie schon gesagt, für einen Test reicht die Bremsewirkung. Dann wollte ich vor einem Test noch etwas Luft auf die Reifen geben ... schraube die Kappe vom Ventil ab ... ups, was ist das ? Mein Mountainbike hat dickere Ventile. Eine Fahrradpumpe hatte ich leider nicht zur Hand. Mist. Egal. Also die RE5 kurz ins Auto gepackt und auf ein abgesperrtes Firmengelände gefahren. Motor sprang schnell an, doch das Hochdrehen ging nicht so ohne weiteres. Dennoch draufgesetzt, 1. Gang rein und los. Mit langsamen Gasgeben kam ich gut von der Stelle, jedoch nicht über 4.000 u/min. Irgendwann ging dann mal eine Sicherung kaputt und nichts ging mehr. Bin aber immerhin die ersten 2km gefahren. Die fehlende Gasannahme schiebe ich jetzt mal auf einen verharzten Vergaser, der nun demontiert und gereinigt wird. Ansonsten hoffe ich mal, dass die 16A-Sicherung aus Altersgründen nachgegeben hat.

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Kommentare

  1. Dein Marathon-Kollege
    Mensch, das Baby sieht traumhaft aus! Viel Erfolg beim Sonntäglichen Startversuch. Beste Grüße aus dem sehr tiefen Süden
  2. Hacky
    Herzlichen Glückwunsch zur RE5. Schöner Zustand. Bin selbst Besitzer einer RE5 in gleicher Farbe von 1975. Wurde gestern zum Leben erweckt. Vielleicht sieht man sich in Osterode. Gute Fahrt und viele Grüße aus Hannover. Hacky
  3. Stephan Zirbus
    Moin !
    Da können wir ja schon ein kleines RE5-Niedersachsen-Treffen machen :o) Meine RE5 sieht auf den Fotos besser aus, als sie wirklich ist. Ich werde sie wohl im Winter etwas mehr zerlegen.
  4. Burghard Schorstein
    Da mach ich mit. Ich hab die gleich RE5 seit 97\' und 50000 km. Wenn Du Hilfe brauchst frag mich ruhig. Ich hab ne kleine Motorradwerkstatt.
    Gruß aus Witzenhausen
  5. Martin Krause
    Hallo,
    habe auch seit einigen Monaten eine RE5 Baustelle.
    Sie ist aber zugelassen und läuft, bis auf das Beschleunigungsloch bei 4000 1/min, recht gut.
    Sie wird noch etwas warm, da anscheinend der Kühler etwas zugesetzt ist.
    Darum IMMER destilliertes Wasser mit Frostschutz fahren.
    Habe bereits viele gute Ratschläge von anderen RE5 Fahrern (hallo Burkhard!), erhalten.
    Der knifflige Part an dem Bike ist der Vergaser, die vielen kleine Kanäle müssen sauber sein und die Unterdruckdose muß funktionieren, damit das Teil sauber läuft.
    Als Öl wurde mir das Castrol 20W50 Classic Öl empfohlen, für den Öltank und den Sumpf; ins Getriebe soll normales 15W40 eingefüllt werden.
    Ölfilter: Passt auch von div. Toyota Modellen.
    Zündkerze 9er im Stadtbetrieb, 10er auf der Autobahn.
    Gruß aus Berlin
    Martin

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